Engadin

Herbst im Engadin – Zwischen goldenen Lärchen und Gletschern

17. - 22. Oktober 2026

Das Engadin stand schon länger auf meiner Liste der Orte, die ich unbedingt einmal im Herbst besuchen wollte. Vor allem die goldgelben Lärchen, für die das Hochtal im Oktober bekannt ist, hatten es mir angetan. Mitte Oktober war es dann so weit: Fünf Nächte verbrachte ich in Sils Maria, mitten in einer der schönsten Landschaften der Schweizer Alpen.

Die Jahreszeit hätte kaum passender sein können. Während die Lärchen in den Tälern in kräftigem Gelb leuchteten, lag auf den höheren Gipfeln bereits der erste Schnee. Dazu kam das besondere Licht des Herbstes, das die Landschaft gerade am Morgen und gegen Abend in eine ganz eigene Stimmung tauchte.

Meine Kamera war natürlich immer mit dabei.

Silsersee – Wenn sich der Herbst im Wasser spiegelt

Der Silsersee lag praktisch vor der Haustür und war deshalb einer der Orte, an denen ich besonders gerne unterwegs war. Schon die Landschaft rund um Sils Maria ist beeindruckend. Doch im Herbst bekommt sie nochmals einen ganz anderen Charakter.

Die Lärchen entlang des Seeufers waren Mitte Oktober bereits wunderschön verfärbt. Besonders die Gegend rund um die Halbinsel Chastè und der Blick in Richtung Isola boten immer wieder neue Fotomotive.

Was mir hier besonders gefiel, war die Ruhe. Abseits der Strasse konnte man gemütlich am Wasser entlanggehen und die Landschaft auf sich wirken lassen. Wenn der Wind nachliess, spiegelten sich die umliegenden Berge im See. Ein paar Minuten später konnte das Licht bereits wieder völlig anders aussehen.

Gerade solche Momente machen für mich die Landschaftsfotografie aus. Man kann einen Ort noch so gut planen, am Ende entscheidet oft die Natur, welches Bild entsteht.

Diavolezza – Mitten in der Gletscherwelt

Ein Besuch auf der Diavolezza durfte natürlich nicht fehlen. Die Luftseilbahn bringt einen auf knapp 3'000 Meter Höhe, wo sich ein gewaltiges Panorama auf die Berninagruppe eröffnet.

Der Blick auf den Persgletscher und den Morteratschgletscher ist schlicht beeindruckend. Dahinter ragen die markanten Gipfel des Piz Palü und des Piz Bernina auf.

Im Vergleich zum herbstlichen Tal fühlte es sich hier oben bereits nach Winter an. Die Vegetation verschwindet fast vollständig und plötzlich bestimmen Schnee und Fels das Landschaftsbild.

Mit der Kamera gibt es hier einiges zu entdecken. Besonders spannend fand ich die Strukturen der Gletscher und die Dimensionen der umliegenden Berge. Was aus der Ferne wie eine kleine Spalte im Eis aussieht, kann in Wirklichkeit mehrere Meter breit sein.

Solche Orte zeigen einem immer wieder, wie gewaltig die Natur sein kann. Gleichzeitig wird einem bewusst, wie stark sich diese Landschaft durch den Rückgang der Gletscher verändert.

Morteratsch – Dem Gletscher entgegen

Nachdem ich die Gletscherwelt bereits von der Diavolezza aus gesehen hatte, wollte ich den Morteratschgletscher auch aus der Nähe erleben.

Der Weg beginnt bei der Bahnstation Morteratsch und führt durch das breite Gletschertal in Richtung der heutigen Gletscherzunge. Unterwegs erinnern verschiedene Markierungen daran, wo sich das Eis früher einmal befunden hat.

Es ist erstaunlich und zugleich erschreckend, wie weit sich der Gletscher bereits zurückgezogen hat. Wo früher mächtige Eismassen lagen, führt heute ein Wanderweg durch eine vom Gletscher geformte Landschaft.

Fotografisch unterscheidet sich das Gebiet deutlich von den Seen rund um Sils. Die Umgebung wirkt karger, und die gewaltigen Bergflanken kommen aus dieser Perspektive besonders gut zur Geltung.

Für mich war der Besuch eine schöne Ergänzung zur Diavolezza. Erst aus beiden Perspektiven bekommt man ein richtiges Gefühl für die Ausdehnung dieser Gletscherlandschaft.

Muottas Muragl – Ein Blick über das Oberengadin

Einen der schönsten Ausblicke der Reise gab es auf dem Muottas Muragl. Mit der Standseilbahn geht es von Punt Muragl auf rund 2'450 Meter hinauf.

Oben angekommen eröffnet sich der bekannte Blick über die Engadiner Seenplatte. Besonders schön ist die Perspektive auf St. Moritz und die dahinterliegenden Seen, die sich durch das Hochtal ziehen.

Im Oktober kommen die goldenen Lärchenwälder hinzu, die aus dieser Höhe besonders gut zur Geltung kommen. Man erkennt erst von hier oben, wie weitläufig sich die herbstlichen Farben über die Landschaft verteilen.

Für die Fotografie lohnt es sich, etwas Zeit mitzubringen. Je nach Sonnenstand verändern sich die Lichtverhältnisse über dem Tal deutlich. Mit einem Teleobjektiv lassen sich zudem einzelne Ausschnitte der Seenlandschaft festhalten, die mit blossem Auge beinahe untergehen.

Allein für diese Aussicht lohnt sich die Fahrt auf den Muottas Muragl.

Lej Nair – Ein kleiner See mitten im Wald

Etwas versteckt im Wald zwischen Silvaplana und St. Moritz liegt der Lej Nair. Der kleine Moorsee ist zwar längst kein Geheimtipp mehr, wirkt aber deutlich abgeschiedener als die grossen Engadiner Seen.

Gerade im Herbst lohnt sich ein Besuch. Die goldgelben Lärchen rund um das dunkle Wasser sorgen für eine besondere Stimmung. Bei Windstille spiegeln sich die Bäume auf der Seeoberfläche, wodurch sich wunderschöne Fotomotive ergeben.

Der Lej Nair lässt sich auf einem gemütlichen Spaziergang erkunden. Immer wieder eröffnen sich zwischen den Bäumen neue Perspektiven auf den See. Besonders schön fand ich den Kontrast zwischen dem dunklen Wasser und den leuchtenden Herbstfarben.

Ein eher unscheinbarer Ort, der für mich aber definitiv zu den schönsten Fotospots dieser Reise gehörte.

Warum sich das Engadin im Oktober besonders lohnt

Nach fünf Nächten im Oberengadin kann ich gut verstehen, weshalb es jedes Jahr so viele Fotografen während der Lärchenfärbung hierherzieht.

Der Herbst verleiht der ohnehin schon beeindruckenden Landschaft einen besonderen Charakter. Dazu kommt, dass es ausserhalb der Hauptsaison vielerorts angenehm ruhig ist.

Natürlich braucht es bei einer Reise im Oktober auch etwas Flexibilität. Einige Bergbahnen befinden sich bereits in der Saisonpause und das Wetter kann in dieser Höhenlage schnell umschlagen. Dafür hat man die Möglichkeit, den Übergang vom Herbst zum Winter unmittelbar mitzuerleben.

Die Zeit zwischen Mitte und Ende Oktober ist für die Lärchenfärbung besonders interessant, wobei der genaue Höhepunkt jedes Jahr etwas anders ausfällt.

Mein Fazit

Die fünf Nächte im Engadin vergingen viel zu schnell. Es gäbe noch zahlreiche weitere Orte, die ich gerne besucht hätte. Doch bereits die Ausflüge zum Silsersee und in die Berninagruppe haben mir gezeigt, wie abwechslungsreich diese Region ist.

Am meisten in Erinnerung bleiben mir die goldenen Lärchen rund um Sils und die beeindruckende Aussicht von der Diavolezza. Zwei völlig unterschiedliche Landschaften, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen.

Für mich war es jedenfalls nicht der letzte Besuch im Engadin. Gerade im Herbst dürfte es mich wieder einmal hierherziehen – natürlich mit der Kamera im Gepäck.

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